Sehr geehrte Medienschaffende, sehr geehrte Interessentinnen und Interessenten,
bereits im vierten Quartal des Jahres angekommen, möchte das Hilfswerk Ukraine einen Überblick über die Aktivitäten des laufenden Jahres geben.
Fern der in den Nachrichten zu beobachtenden Neuigkeiten aus dem immer noch vom Krieg stark belasteten Land sieht die Alltagssituation für die Menschen momentan wie folgt aus: Man spricht von einer «Stabilisierung» der Elektrizitätsversorgung, nachdem es monatelang aufgrund des durch den Krieg zerstörten Netzes und der Infrastruktur oft 14 Stunden am Tag keinen Strom gab. Doch dem Winter sieht man mit Sorge entgegen, da seit dem 1. Juni die Strompreise um 64 % gestiegen sind. Auch die Preise für Benzin, Lebensmittel, Medizin und weitere lebensnotwendige Güter steigen stetig an. Die Kaufkraft der Menschen in der Ukraine ist dagegen weiterhin geschwächt. Die Gehälter der arbeitenden Bevölkerung stagnieren und in vielen Haushalten fehlt mindestens ein Mann. Momentan zieht eine erneute «strenge» Einzugswelle kampffähiger Männer im Alter zwischen 25 und 60 Jahren durchs Land. Allgemein, und auch besonders für die Projekte des Hilfswerks, bedeutet dies eine stetige Reduktion von verfügbaren Arbeits- und Hilfskräften.
Am 4. September dieses Jahres fand eine weitere Luftoffensive der russischen Armee in und um die Stadt Lviv, nahe der polnischen Grenze, statt. Dort sind mehrere Projekte unseres Hilfswerks angesiedelt. Für die Helfer des Hilfswerks ist dies sehr ernüchternd und zeigt einmal mehr, wie wichtig und akut die fortlaufende Unterstützung der Ukrainischen Bevölkerung, fernab von politischen Motiven, ist.
Im Vordergrund der Anstrengungen des Hilfswerks Ukraine stand dieses Jahr die Renovation des Kinderheimes Lyubin Velyky, wo Ende April der erste Teil der Erneuerung des medizinischen Traktes beendet werden konnte.
Zudem erreichten durch Hilfstransporte im Februar und Juli dringend gebrauchte Hygieneartikel, medizinische Ausrüstung, Generatoren und Elektromaterial und das Verteilungszentrum des Hilfswerks. Mit den finanzierten und gespendeten Gütern konnten weit über 20 Institutionen unterstützt werden, hauptsächlich Lehreinrichtungen wie Schulen für Kinder, sowie diverse Kliniken. Der nächste Transport findet im November statt.
Des Weiteren konnten dank der Spende von IT-Ausrüstung der Kantonsschule Zug mehrere Computerräume in Schulen sowie Universitäten ausgestattet werden.
Besonders dankbar für die langjährige Unterstützung, die weit über die Zeit des Kriegsbeginns hinausgeht, ist die Nationale Polytechnische Universität in Lviv. Hier wurde zu Beginn des Krieges eines der ersten Binnenflüchtlingslager errichtet, welches seither vom Hilfswerk Ukraine unterstützt wird. Als Dank wurde eine Schweizer Flagge an der Universität angebracht, welche auf Anfrage persönlich von einem der Gründungsmitglieder des Hilfswerks gespendet wurde.
Durch die Bombenangriffe sind in der Ostukraine keine Druckereien mehr vorhanden, was bedeutet, dass es keine neuen Schulbücher mehr gibt. Das Hilfswerk konnte die letzten verbleibenden Bücher für eine Vorschule erwerben, um dort den Unterricht für das kommende Schuljahr zu unterstützen. Für den Luftschutzkeller eines Kindergartens, welcher hauptsächlich von Kindern aus Flüchtlingsfamilien besucht wird, konnte ein Projektor gekauft werden, um auch während der regelmässigen Aufenthalte im Schutzkeller etwas «Normalität» in den Kindergartenalltag zu bringen.
In den kommenden Monaten, wie auch im Jahr 2025, konzentrieren sich die Bemühungen des Hilfswerks Ukraine auf die weitere Renovation und Instandsetzung des Kinderheimes Lyubin Velvky, den Start der Renovation der Abteilung für Palliativmedizin des 4. gemeinnützigen Krankenhauses für Rehabilitation und Palliativmedizin in Lviv und der Zusammenarbeit mit der Polytechnischen Universität Lviv mit angeschlossenem Binnenflüchtlingslager. Zudem werden soziale Institutionen, Schulen und Kliniken, wo und wie immer möglich unterstützt, um geschwächten und beeinträchtigten Mitgliedern der ukrainischen Bevölkerung eine Perspektive für die Zukunft zu ermöglichen. Auch werden weiterhin Transporte in die Ukraine durchgeführt.
Seit dem 1. Januar 2024 gibt es in der Ukraine ein neues Gesetz, welches den Transport von Sachspenden in die Ukraine verschärft. Dieses Gesetz will verhindern, dass Hilfsgüter missbräuchlich verwendet oder im Land angekommen in den Handel gelangen um dort weiterverkauft zu werden. Ausserdem will man verhindern, dass abgelaufene Artikel, die eigentlich entsorgt werden müssten, in die Ukraine eingeführt werden. Dazu gehören medizinische Artikel, Hygieneartikel und Lebensmittel. Jede Spende muss zudem einem spezifischen Empfänger zugeordnet werden, der bestätigt, die Waren wirklich zu benötigen und den Empfang der gespendeten Waren auch wiederum quittieren muss. Ein Hilfstransport, der die neuen Regelungen nicht vollständig einhält, wird vom Zoll gestoppt und zurückgewiesen.
Aus diesem Grund ist es manchmal für das Hilfswerk Ukraine schwierig, einzelne Sachspenden anzunehmen und im Transport mitzunehmen. Mit den erhaltenen Geldspenden kaufen wir spezifisch benötigte Waren für laufende Projekte oder für soziale Institutionen, die diese Güter direkt angefragt haben. Damit werden die Einfuhrregelungen erfüllt.
Wer das Hilfswerk Ukraine unterstützen möchte, kann dies am besten schnell und unkompliziert durch eine
Spende machen. Das Hilfswerk ist ein eingetragener, steuerbefreiter Verein und wird hauptsächlich durch die freiwillige und unentgeltliche Hilfe von Mitgliedern geleitet und operiert. Einzig in der Ukraine selbst erhalten ein permanenter Mitarbeiter und viele freiwillige Helfer eine Entlöhnung. Finanzielle Spenden können daher direkt und ohne Abzüge in momentan am dringendsten benötigte Hilfe umgesetzt werden.
Ankunft und Verteilung medizinischer Hilfsgüter
Ankunft von Hygieneartikeln im Kinderheim
Schweizer Flagge nun Teil der Flaggen vor der Polytechnischen Universität Lviv
Neuer Projektor im Luftschutzkeller eines Kindergartens
Hilfswerk Ukraine
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